Monatsupdate

Monatsupdate Oktober 2020

Liebe Investoren und Interessierte,


hinter uns liegt ein aus Börsensicht turbulenter Oktober, den ich mit den kommenden Zeilen zum Wikifolio Stock-Picking balanciertund dem Gesamtmarkt abschließen möchte. Für den ausführlicheren Austausch zu den Werten im Wikifolio sowie für Fragen oder Feedback zur Anlagestrategie biete ich gerne die Kontaktaufnahme über diese E-Mail Adresse an. Für die Aufnahme in den E-Mail Verteiler genügt eine kurze E-Mail an wiki@stock-picking.de mit dem Text “Bitte monatliches Update zuschicken”. Die E-Mail Adresse darf, wie auch der Link zum Wikifolio, gerne an neue Interessierte weitergegeben werden.

Zahlen & Fakten

Nach drei Monaten stark wachsender Outperformance hat das Wikifolio erstmals seit dem Crash der Wirecard Aktie im Juni wieder etwas an Vorsprung gegenüber dem Vergleichsindex eingebüßt. Die Begründung dafür hatte ich schnell gefunden: Die stark gewichteten Aktien von Hypoport, IVU Traffic Technologies, SNP und Cegedim, welche gemeinsam für etwa 40 % Depotgewichtung stehen, haben sich im Oktober deutlich schlechter als die Benchmark entwickelt. Während der Turnaround bei Cegedim weiter etwas auf sich warten lässt, kommt es bei den übrigen drei, über Jahre stark steigenden Aktien immer mal wieder zu deutlicheren Konsolidierungsphasen. Diese hat sich nun im Oktober bei meinen Schwergewichten vollzogen. Seit Jahresbeginn (YTD) steht das Wikifolio abzüglich aller laufenden Kosten und zuzüglich der Dividenden bei einer Rendite von 13,82 %. Der thesaurierende iShares Core MSCI World UCITS ETF, welcher als Vergleichsindex dient, kommt seit Jahresbeginn auf -5,63 %.  Es ergibt sich für das Wikifolio als stichtagsbezogene Momentaufnahme eine Outperformance von 19,45 % ergibt. Die Datenquelle für die Berechnung und die Monatsübersicht im Anhang bildet sich aus den Chartfunktionen von ARIVA.de unter Verwendung des Handelsplatzes L&S RT.

Gesamteinordnung

Der Oktober hat, wie es sich bereits im September angedeutet hatte, die Volalität an die Finanzmärkte zurückgebracht. Der sprunghafte Anstieg der Volalität, die beispielsweise im Volalitätsindex VIX dargestellt ist, geht häufig einher mit Kursrückgängen, wie wir sie zum Ende des Monats erlebt haben. Auch die großen Technologiefirmen aus den USA mit teilweise sehr starken Q3 Berichten konnten sich hier nicht gegen die aufkommenden Unsicherheiten an den Märkten stellen. Maßgeblich wird bereits in der kommenden Woche die Wahl des US-Präsidenten sein, bei der ein knappes Wahlergebnis und eine wochenlange Hängepartie für die Auszählung wohl das größte Unsicherheitsszenario für die Finanzmärkte darstellen würde. Mit den weltweit weiter ansteigenden COVID-19 Infektionen finden sich zudem weitere Gründe für erhöhte Unsicherheiten. Allerdings muss man abseits jeglicher Nachrichten auch einfach konstatieren, dass nach den starken Kursanstiegen seit März eine Kurskorrektur ein nun wirklich normaler Vorgang ist.

Es ist weiterhin spannend zu beobachten, dass die Anleger weltweit mit höchster Priorität auf das Umsatzwachstum der Unternehmen setzen. Während unterschiedliche Value-Titel wie SAP, IBM oder BAT stark mit neuem Umsatzwachstum zu kämpfen haben und deswegen deutlich abgestraft werden, sind Technologiewerte trotz teils sehr irrationaler Bewertungsniveaus weiterhin die Kurstreiber der weitweiten Indizes. Diese Entwicklung beobachte ich seit März besonders ausgeprägt und bin ja auch bekanntlich in diverse Techaktien investiert. Allerdings achte ich bei Aktien wie Slack Technologies, die ein Umsatzmultiple größer als 15 aufweisen, natürlich entsprechend auf die Gewichtung und damit das Risiko. Auf den Mix eines balancierten Portfolios, zu dem übrigens auch am ehesten die Benchmark MSCI World passt, werde ich zum Jahresende genauer eingehen.

Spezifisches Thema: Was bringt die Zahlenflut der Unternehmen?

Im abgelaufenen Monat haben viele Schwergewichte meines Portfolios ihre Q3 Zahlen berichtet. Nicht alle Aktienkurse konnten von der teils hervorragenden Unternehmensentwicklung profitieren. Gleichzeitig reicht die Bandbreite der Berichterstattungen von sensationellen Zahlen hin zu einigen Fragezeichen. Glücklicherweise ist mir eine Katastrophenmeldung wie bei SAP bisher erspart geblieben. Eine kurze Zusammenfassung:

Erneut erstklassig abgeliefert haben Amazon und Facebook. 37 % Umsatzwachstum, 56 % Operating und 26 % Free Cash Flow Wachstum, dazu wachsen Betriebsergebnis und Gewinn bei Amazon jeweils deutlich überproportional zur Top-Line. Der Ausblick aufs Weihnachtsquartal fällt für Amazon nicht weniger euphorisch aus, denn als Mitte der Guidance werden bereits 116 Mrd. $ Umsatz (+33% YoY) in den laufenden drei Monaten angepeilt und dies trotz der enormen Größe des Unternehmens. Auch Facebook hat mit 20 % Umsatz- und 30 % Gewinnwachstum sehr starke Zahlen verkündet. Man hat also den schwächelnden Werbemarkt in Q2 hinter sich gelassen. Zudem stehen mit Facebook Dating, Facebook Shops und dem Payment Bereich lukrative Innovationen in den Startlöchern.

Solide Zahlen wurden von Serviceware und SNP berichtet. Die Zahlen beider Unternehmen weisen aus meiner Sicht keine Überraschungen auf. Die Internationalisierung und Expansion bei Serviceware schreitet wie geplant voran. Während der Umsatz bei Wartung und Lizenzen zurückgegangen ist, konnten die Umsätze im software-as-a-service Bereich um 40 % gesteigert werden. Wie bei Serviceware auf Ertragsseite ist auch bei SNP auf Umsatzseite das Jahr 2020 ein Übergangsjahr. Es konnten zahlreiche Partnerschaften geschlossen werden und zahlreiche Projekte remote durchgeführt werden. 29 % des Umsatzes sind bereits aus S/4 HANA Projekten und dennoch zeigt sich die Zurückhaltung der Kunden bei lediglich 7 % Umsatzwachstum in den ersten neun Monaten. Die Softwareumsätze steigen überproportional und zeigen das der Schwenk zum Softwareunternehmen mit höheren Margen intakt ist.

Kleine Fragezeichen stehen den Zahlen von Mastercard, Hypoport und Cegedim. Die Umstände könnten für die drei Unternehmen allerdings nicht unterschiedlicher sein. Während Mastercard durch stark gesenkte Kreditkartenumsätze aus Tourismus und Unterhaltung dieses Jahr ohnehin gedämpfte Erwartungen hat, sollte das Unternehmen weiterhin vom war-on-cash und dank digitaler Angebote von der Konsolidierung bei Marktanteilen profitieren. Der Ausblick für 2021 in drei Monaten wird zeigen, ob Mastercard schnell in die Wachstumsspur zurückfindet. Hypoport hat im Oktober zunächst sehr gute operative Kennzahlen der Kreditplattform gemeldet, um dann wenige Tage später mit 5 % ein doch überraschend geringes Umsatzwachstum für Q3 per Ad Hoc zu melden. Der Q3 Conference Call am morgigen Tag bietet eine gute Möglichkeit das kleine Fragezeichen auszuräumen. Cegedim hat lediglich Umsatzzahlen zum Q3 gemeldet. Dieses zeigt wieder in die richtige Richtung und ist leicht positiv. Viel spannender wird aber der Ausblick auf 2021 sein, sodass ich lieber zu Beginn des kommenden Jahres deutlich ausführlicher über Cegedim berichten werde.

Außerordentlich (gut) gemeldet haben HelloFresh und Global Fashion Group, welche ich beide nun bereits mehrfach in den letzten Monatsupdates und meinen Kommentaren auf Wikifolio erwähnt habe. Beide Unternehmen haben Mitte Oktober die Prognose für das laufende Jahr erhöht. HelloFresh geht nach 85 % Umsatzwachstum im Mittel nun von 100 % als Mitte der Prognosespanne aus und hat gleichzeitig auch die prognostizierte AEBITDA Marge für 2020 um 2 % auf 12 % im Mittel nach oben gesetzt. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen befinden sich weiterhin deutlich unter dieser Prognose. Die Global Fashion Group hat zunächst mit starken Kursgewinnen auf die Prognoseerhöhung für die Profitabilität und die Marketplacekennzahlen reagiert, bevor es zum Ende des Monats zu Gewinnmitnahmen kam. Die Wikifolio Redaktion hat meinen Kommentar zu den Entwicklungen bei der GFG in einem Blogartikelaufgegriffen.

Das rein aktienbasierte Portfolio kann sich natürlich einer allgemeinen Marktkorrektur nicht entziehen. Da helfen auch sehr gute Unternehmensnachrichten häufig kurzfristig nichts. Ich betrachte die Unternehmensentwicklung und setze sie in Verhältnis zum gegenwärtigen Preis, der an der Börse gezahlt wird. Bei einigen Unternehmen, wie beispielsweise HelloFresh, SNP, Serviceware, GFG oder IVU Traffic Technologies hat sich meiner Meinung nach das Chance-Risiko-Verhältnis in den letzten Tagen erheblich verbessert. Entsprechend werde ich den Fokus für Nachkäufe auf diesen Unternehmen belassen.

Whats up to come?

Neben den ausstehenden Q3 Unternehmensmeldungen von Hypoport, Paypal und Square in der kommenden Woche, steht sicherlich die US-Wahl im direkten Fokus. Darüber hinaus berichtet Portfolioschwergewicht IVU Traffic Technologies am 19.11. über das dritte Quartal, wovon ich sehr gerne berichten werde. Das Portfolio hat vom Allzeithoch bei 141,8 von vor zwei Wochen etwa 10 % korrigiert. Bei einigen Werten habe ich bereits die reduzierten Kurse genutzt, um Positionen aufzustocken und ich habe auch im Wikifolio noch etwas Cash um dies punktuell fortzuführen. Über größere Zukäufe oder Verkäufe werden ich weiterhin möglichst aktuell berichten.


Sollten sich dennoch einzelne Fragen oder Anmerkungen ergeben, freue ich mich über eine kurze E-Mail.

Viele Grüße
Heinz Luckhardt

Disclaimer: Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar (§ 85 WpHG). Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Bitte beachten Sie, dass Wertpapiere grundsätzlich mit Risiko verbunden sind und im Wert schwanken können. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.

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