Monatsupdate

Monatsupdate Februar 2021

Liebe Investoren und Interessierte,

fünf neue Höchststände auf Schlusskursbasis, ein Kater ab der Monatsmitte und jede Menge Unternehmenszahlen – der Februar hatte Neuigkeiten ohne Ende parat und da kommt das Monatsupdate doch gerade richtig. Alle meine Updates seit Auflage des Wikifolios finden sich zur Nachlese auf meiner Website www.stock-picking.de. Die genaue Portfoliozusammensetzung sowie alle Käufe- und Verkäufe im Portfolio sind auf wikifolio.com einsehbar. 

Zahlen & Fakten

Mit einem Kurs von 168,07 und knapp 9 % Kursplus seit Jahresbeginn hatte das Wikifolio am 15.2. ein neues Allzeithoch markiert, bevor es nun wieder einmal zu einer raschen Korrektur gekommen ist. Mit dem Schlusskurs für den Februar steht das Wikifolio YTD bei einer Rendite von -1,19 %. Die Benchmark des iShares Core MSCI World UCITS ETF hat sich im Februar besser entwickelt und steht nach zwei Monaten des Jahres bei 4,04 %. Somit liegt das Wikifolio seit Jahresbeginn 5,23 % hinter einem ETF auf den Vergleichsindex und auch die Outperformance seit der Veröffentlichung (34,80 %) ist daher leicht zurückgegangen. In den nun vergangenen 1,5 Jahren seit der Publikation hat sich ein wirklich schöner Trend herausgebildet, der auch den langfristigen Vergleich zur Benchmark nicht scheuen sollte. Die Entwicklung auf Monatsschlusskursbasis habe ich in einer neuen Grafik (siehe Anhang) dargestellt. Die herangezogene Datenquelle bilden die Chartfunktionen von ARIVA.de unter Verwendung des Handelsplatzes L&S RT.

Gesamteinordnung

Die aktuelle Korrektur trifft viele Aktien, die seit einem Jahr sehr gut gelaufen sind und damit auch einige Positionen meines Portfolios. Es ist wichtig diese Kursrückgänge als normale Schwankungen hinzunehmen, zumal eine Durchschnittsrendite >30 % p.a., wie sie seit etwa einem halben Jahr in meinem Wikifolio Realität ist, sich nicht in die Zukunft fortschreiben lässt. Auf der anderen Seite ergeben sich so auch immer wieder neue Möglichkeiten. So habe ich die Aktie Play Magnus in der vergangenen Woche in das Wikifolio aufgenommen und eine erste Einschätzung in Form eines Aktienkommentars geschrieben. 

Zur heutigen Gesamteinordnung gehört die Beobachtung, dass sich viele Value-Werte und Aktien aus Branchen, die sehr unter den Lockdowns gelitten haben, im letzten Monat besser entwickelt haben als Technologiewerte oder Coronagewinner. Aufgrund des niedrigen Basiseffekts aus dem letzten Jahr, welcher erstmals mit dem Q1 und dann deutlich mit dem Q2 in den Bilanzen der Unternehmen eintreten wird, könnte für viele gescholtene Unternehmen Optimismus aufkommen. Auf der anderen Seite wird es für Unternehmen mit einem hervorragenden Geschäftsjahr 2020 deutlich schwieriger werden weiter die erwarteten Wachstumsraten abzuliefern. Letztlich bestimmt die langfristige Perspektive und Entwicklung die Aktienkurse, während es kurzfristig immer wieder zu Sektorenrotationen, Hypes und Angstphasen kommen wird. Für die Betrachtung der Kurs- und Unternehmensentwicklung nutze ich deswegen neben den aktuellen Zahlen immer auch die Zahlen der letzten Jahre für eine angemessene Einschätzung. Die Vielzahl der stetigen Meldungen sorgt leider häufig dafür, dass wir das Big Picture aus dem Blick zu verlieren und so ist es umso passender, wenn ich das heutige Thema mit den unglaublichen Zahlen von Amazon beginne.

Spezifisches Thema: Unternehmenszahlen aus den USA – bleibt alles so?

Da das Geschäftsjahr der meisten Unternehmen dem Kalenderjahr gleicht beginnt im ersten Quartal des Jahres meist die heiße Phase der wesentlichen Unternehmenszahlen. So wird einerseits ausführlich über das abgelaufene Geschäftsjahr berichtet, aber auch der Ausblick für das laufende Jahr formuliert. Gründe genug, bei den Zahlen der US-Unternehmen einmal genauer hinzuschauen. 

Vorneweg marschiert Amazon mit über 125 Mrd. $ Umsatz (+44 % YoY) im Weihnachtsquartal und einem Ausblick von mehr als 100 Mrd. $ Umsatz (>33 % YoY) im ersten Quartal 2020. Das EBIT konnte 2020 um 57 % auf knapp 23 Mrd. $ gesteigert werden. Der Haupttreiber dafür war erneut die Cloudsparte AWS, die für knapp 60 % des Gewinns verantwortlich ist. Mit der Vorlage des Geschäftsberichts dürften besonders auch die Zahlen zum am schnellsten wachsenden Segment Advertising interessant werden. Während die Amazon Aktie also in einem Jahr seit dem 1. März auch völlig zurecht um über 50 % gestiegen ist, hinkt der andere Tech-Riese des Portfolios Facebook mit knapp 30 % Kursgewinn etwas hinterher. Die Facebook Aktie liegt damit auch gut 20 % hinter einem ETF auf den Nasdaq100, was mein Augenmerk auf die Aktie natürlich erhöht hat. Die Unternehmenszahlen von Facebook sind durch ein hervorragendes Q4 (33 % Umsatzwachstum, 44 % Wachstum im EBIT) weiter hervorragend und führte auch auf Jahressicht (22 % Umsatzwachstum, 36 % Wachstum im EBIT) zu einem guten Abschluss. Erstaunlich ist, dass alle Nutzermetriken (DAUs, MAUs, DAP, MAP)  weiterhin zweistellig wachsen. Zeitgleich legt auch der Umsatz pro Nutzer in allen Regionen deutlich zu. Dass der Aktienkurs nun nicht ganz dem Technologiedurchschnitt folgen konnte, liegt wohl eher am ernstzunehmenden Thema der Zerschlagung und neuen Richtlinien bei denen sich Facebook mit Apple im Streit befindet. Aufgrund der Größe des Unternehmens wird es aus meiner Sicht auch hier zu Kompromissen kommen, die für alle Parteien ausreichend sind. Die Bewertungskennzahlen (6-facher Umsatz, 12-faches EBITDA, 22-facher Gewinn) jedenfalls erscheinen aktuell im Vergleich zu vielen Technologieunternehmen günstig. Sowohl für Amazon als auch für Facebook zeigt sich wie enorm die Unternehmen trotz der bisher erreichten Größe wachsen können und dies nun schon über viele Jahre.

Auf dem besten Weg in die gleiche Liga aufzusteigen ist mit einer Marktkapitalisierung von mittlerweile über 300 Mrd. $ PayPal. Die Aktie hat in den vergangenen 12 Monaten über 120 % hinzugewonnen und untermauert diese Kursentwicklung auch mit Zahlen. 72,7 Millionen Accounts sind im vergangenen Jahr neu auf die Plattform gekommen (Gesamt 377 Mio.) und haben dafür gesorgt, dass das Total Payment Volume um 31 % angestiegen ist sowie im Q3/Q4 sogar um 36 %. Wie für PayPal ist es auch für Square seit der Corona Pandemie nie einfacher gewesen neue Kunden zu gewinnen. Der große Nutzen mobiler Bezahl- und Finanzdienstleistungen hat einen besonderen Schub bekommen. So beziffert Square die Customer Acquisition Costs bei der CashApp auf unter 5 $ je neuem Nutzer, während gleichzeitig der Rohgewinn pro Nutzer bei über 34 $ liegt. Neue Services, wie dem Handel an der Börse oder mit Bitcoin, haben der CashApp, die nun für fast 50 % des Rohgewinns steht, mit 12 Mio. neuen Nutzern einen enormen Zuwachs beschert. Die Zahlen von PayPal und Square wirken umso beeindruckender, wenn man sie mit dem Schwergewicht Mastercard gegenüberstellt. Mastercard hatte im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 7 % zu verbuchen, und hält sich auch für den Ausblick 2021 zurück. Immerhin erwarten die Analysten im Konsens wieder etwa 20 % Umsatzwachstum, wenn auch von der geringeren Basis aus 2020. Mastercard sollte ab diesem Jahr wieder an den langfristigen Wachstumspfad anknüpfen können.

Kommen wir zu den beiden möglichen Turnaroundgeschichten Alteryx und Nutanix. Die Aktienkurse beider Unternehmen laufen seit etwa zwei Jahren nicht wirklich gut und tatsächlich wird sich bei beiden auch noch einiges tun müssen, bevor neue Allzeithochs zu erwarten sind. Aus meiner Sicht bietet sich im Vergleich zu anderen amerikanischen Techwerten hier eine attraktive Unternehmensbewertung an und deshalb stocke ich seit einigen Wochen die Positionen etwas auf. Die Zahlen von Alteryx für das Schlussquartal 2020 waren recht ordentlich und konnten die Erwartungen mit einem Umsatzwachstum von 19 % und einem annualisierten Umsatzwachstum von 32 % übertreffen. Für das laufende Geschäftsjahr allerdings prognostiziert Alteryx wieder einmal – wie auch in vergangenen Jahren – sehr  verhalten. Lediglich 13 % Umsatzwachstum sind geplant und auch die Profitablität wird unter der Vertriebsoffensive leiden. Prinzipiell könnte man bei Alteryx auch warten, bis sich der Wandel des Geschäftsmodells in die Cloud vollzogen hat und dann einsteigen, allerdings hat Alteryx in der Vergangenheit häufig tief gestapelt und dann positiv überrascht. Ähnliches Potenzial schlummert auch in dem Anbieter für hybride Cloudlösungen Nutanix. Nutanix befindet sich bereits im Q3 des Geschäftsjahrs 2021 und wird im Laufe diesen Jahres ein paar mehr Zeilen von mir erhalten. Aus meiner Sicht befindet sich die Firma schon weit fortgeschritten im Prozess aus einem Hardware- einen Softwareunternehmen zu machen. Während Nutanix bei den Buchungen mit 14 % Wachstum auf dem richtigen Weg ist, wird man hinsichtlich der Profitabilität noch eine Weile warten müssen. Die Qualität der Umsätze hat sich jedenfalls in den vergangenen zwei Jahren deutlich gebessert und sollte die Basis für Profitabilitätssteigerungen ab dem Geschäftsjahr 2022 bilden.

Whats up to come?

Auch die deutschen Nebenwerte haben bereits fleißig Zahlen zum Gesamtjahr 2020 gemeldet. Im März stehen außerdem noch Termine quasi aller deutschen Unternehmen des Wikifolios an, sodass es dann im kommenden Monatsupdate dazu eine ausführlichere Berichterstattung geben wird. Bleibt den Aktienmärkten treu, auch wenn sich die Korrektur verstärken sollte. Wie sagte Kostolany einst: „An der Börse kommen erst die Schmerzen, dann das Geld.“

Konkrete Fragen gerne per E-Mail!

Viele Grüße
Heinz Luckhardt

Disclaimer: Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar (§ 85 WpHG). Sie dienen lediglich der persönlichen Information und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Bitte beachten Sie, dass Wertpapiere grundsätzlich mit Risiko verbunden sind und im Wert schwanken können. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.

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