Monatsupdate

Monatsupdate November 2021

Liebe Investoren und Interessierte,

das Monatsupdate kommt ein paar Tage verspätet, aber das gibt mir heute die Möglichkeit nicht nur auf das schwache Ende des Monats November Bezug zu nehmen, sondern auch auf den Sell-Off, der sich im High-Growth Segment an den ersten Dezembertagen beschleunigt hat. Einige stark abverkaufte Unternehmen wie Twilio oder The Trade Desk waren bereits einmal im Wikifolio enthalten, wurden aber irgendwann aufgrund der astronomischen Bewertungen verkauft. Meine älteren Kommentare zu allen Unternehmen sind über die Suchfunktion auf meiner Webseite www.stock-picking.de einfach zu finden. Gleiches gilt für alle bisher erschienenen Monatsupdates.

Zahlen & Fakten

Das Wikifolio ist unter den Jahresschlusskurs 2020 zurückgefallen und weist trotz klar positiven Renditen im Jahresverlauf nun YTD mit -1,35 % eine negative Rendite auf. Ein ETF auf den MSCI World, der iShares Core MSCI World UCITS ETF steht in diesem Jahr bei einem Kursplus 27,63 %. Somit liegt das Wikifolio seit Jahresbeginn 28,98 % hinter einem ETF auf den Vergleichsindex. Auch die Outperformance des Wikifolios gegenüber dem Index ist damit seit der Veröffentlichung auf 10,67 % zurückgegangen. Die hohe Outperformance des Wikifolios gegenüber dem MSCI World ETF aus dem vergangenen Jahr von 37,76 % hat in diesem Jahr also ausgleichenden Charakter erfahren. Die Entwicklung auf Monatsschlusskursbasis habe ich in der gewohnten Grafik dargestellt. Die herangezogene Datenquelle bilden die Chartfunktionen von ARIVA.de unter Verwendung des Handelsplatzes L&S RT.

Gesamteinordnung

Der heftige Abverkauf für den amerikanischen Tech-Unternehmen der zweiten Reihe (z.B. Salesforce, PayPal, Docusign, MongoDB, Datadog, Zoom, Square, Crowdstrike, usw.) hat insbesondere viele der absoluten Outperformer der letzten 2 Jahre von teils astronomischen Bewertungen auf normal hohe Bewertungen zurückgeholt. Gleichzeitig wird sowohl der NASDAQ100, S&P500 und auch der MSCI World von den wenigen Big-Tech Schwergewichten (insbesondere Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, NVIDIA) weiter getragen, sodass die teils um 50 % und mehr abgestürzten Aktienkurse in den Indizes nur marginal sichtbar sind. Auch das Wikifolio setzt mit PayPal, Square, Etsy, Nutanix, PlayMagnus auf einige dieser Unternehmen, die sich dem Abwärtssog nicht entziehen konnten. Es ergibt sich die spannende Situation, dass die Bewertungen dieser Unternehmen immer noch auf einem hohen Niveau befinden, aber eben auch eine gesunde Korrektur erfahren haben und punktuell schon wieder interessant sind. Auf der anderen Seite könnte eine Korrektur bei Big Tech und bei vielen Value-Werten, die im zweiten Pandemiejahr eine Erholung erfahren haben, den Gesamtmarkt nochmal kräftig ins Wanken bringen. Aus meiner Sicht ist es insbesondere in diesen Marktphasen wichtig auf ein ausbalanciertes Portfolio zu zählen, um zu hohen Tagesverlusten aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig ist es während dieser Marktphasen besonders schwer, die sicheren Indizes (MSCI World oder S&P500) hinter sich zu lassen und es bringt natürlich zwangsläufig immer wieder die Frage auf: Eigenes Portfolio oder einfach nur den Index kaufen? Weniger Stress und Nerven hat man definitiv mit dem sturen Sparplan auf den Index, aber das begrenzt eben auch immer die Chancen auf Überrenditen.

Spezifisches Thema: Spannender November Teil 4/4

Im November habe ich die Zahlenflut der Unternehmen mit kurzen Kommentaren in bisher drei Teilen (Teil 1, Teil 2 und Teil 3 sind auf stock-picking.de nachzulesen) begleitet. Heute gibt es den 4. Teil, der sich um das amerikanische Unternehmen Nutanix dreht, die zum Ende des Monats neue Zahlen gemeldet haben.

Nutanix ist Vorreiter auf dem Gebiet hybrider Cloud-Architekturen, die es Unternehmen ermöglicht die private und öffentliche Cloud zu vereinheitlichen, um ihre unterschiedlichen Anwendungen reibungslos und sicher betreiben zu können. In den vergangenen Jahren ist Nutanix bereits große Schritte gegangen. Das Unternehmen hat sich von einem Hardware- zu einem Softwareunternehmen gewandelt und dazu ein subskriptionsbasiertes Geschäftsmodell in den Markt gebracht. Der Verzicht auf Hardwareumsätze zugunsten von planbareren Softwaresubskriptionen sowie die Umbau insbesondere in der Vertriebsmannschaft hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass der Aktienkurs nicht wirklich vom Fleck kommt. Darüber hinaus ist Gründer Dheeraj Pandey im vergangenen Jahr aus dem Unternehmen ausgeschieden. Nicht unbedingt die besten Vorzeichen. Als ich die Aktie von Nutanix vor ziemlich genau einem Jahr erstmals für das Portfolio gekauft habe, sah der Investmentcase basierend auf einer durch die Softwareumsätze deutlich erhöhten Rohmarge und dem mittelfristigen Weg in die Profitabilität ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis vor. Denn die Bewertung war und ist nach wie vor für den amerikanischen Technologiebereich moderat (EV/Sales von 4,2). Nach etwa einem Jahr stehen (trotz des starken Abverkaufs der Technologieaktien in den letzten Tagen) 12,6 % Rendite zu Buche.

Was sagen die neuen Zahlen? Die zeigen, dass das Umsatzwachstum mit 21 % zuletzt kräftig angezogen hat. Der Annual Contract Value (ACV) der Billings (+33 %) und die Run-rate ACV (+23 %) bestätigen diesen Trend. Auch die durchschnittlichen Analystenschätzungen sehen weiter mindestens 15 -20 % Umsatzwachstum für die nächsten Jahre vor. Allerdings ist das Umsatzwachstum aus meiner Sicht nur Teil 1 des Investmentcases. Nutanix muss endlich den Sprung in die Profitabilität schaffen. Deutliche Verbesserungen werden definitiv im aktuellen, im August begonnen Geschäftsjahr erzielt werden, bevor man dann im Geschäftsjahr 2022/23 erstmals EBITDA positiv berichten sollten. Die non-GAAP Rohmarge von 82,1 % bietet die Basis für ein hochprofitables Business. Es wird deshalb spannend, wie schnell Nutanix die Transformation vollständig hinter sich lassen kann. Ich möchte hier weiterhin mit einer kleinen Position dabei sein.

Whats up to come?

Neben der Korrektur bei den E-Commerce Werten, sind nun auch die High-Growth Aktien dazugekommen. Gut möglich, dass die Sektorenrotation weiter in Gang bleibt, bis sich die makroökonomische Lage mit den Themen Inflation, Lieferketten und Corona eingependelt hat. Zum Jahresabschluss in weniger als einem Monat gibt es – wie auch im letzten Jahr (hier nachzulesen) eine ausführliche Darstellung des Portfolios sowie den klassischen Blick in die Glaskugel für 2022 ; – )

Mit den besten Grüßen
Heinz Luckhardt

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