Monatsupdate

Monatsupdate Februar 2022

Liebe Investoren und Interessierte,

der Februar stand nicht nur für uns Europäer, sondern weltpolitisch leider ganz im Zeichen des Angriffskriegs von Wladimir Putin. Dies hat natürlich auch an den weltweiten Börsen zu Turbulenzen geführt. Dem kurzen und heftigen Abverkauf in der vergangenen Woche folgten nun erste erholende Tendenzen, insbesondere im Technologiesektor.

Im Februar wurden aber auch fleißig Unternehmenszahlen gemeldet, mit denen ich nur mit der Ausnahme von PayPal durchweg sehr zufrieden bin. Das 4. Quartal von Amazon, Alteryx, Upstart, Etsy, Square und PlayMagnus hat mich jeweils weiter überzeugt. Während die fünf amerikanischen Unternehmen allesamt sehr positiv auf die Quartalszahlen reagiert haben, erschienen die Zahlen von Play Magnus wie ein Non-Event. Auch aufgrund der doch sehr schwachen Kursentwicklung habe ich mir deswegen die Aktie etwas genauer angesehen.

Play Magnus – WKN: A2QDZX, TIKR: PMG

Play Magnus, das Unternehmen aus dem Umfeld von Magnus Carlsen, an dem er über seine Firma Magnuschess mit über 8 % beteiligt ist, hat erst im Herbst 2020 den Weg an die Börse gefunden. Man hatte das sehr gute Umfeld für Börsengänge von Digitalunternehmen sowie die allgemeine Renaissance für die Sportart Schach genutzt und die Gesellschaft mit einer sehr guten Kapitalausstattung gelistet. Die mittelfristigen Ziele sind von Anfang an sehr ambitioniert formuliert worden und wurden nun erneut angehoben. Dazu gleich mehr.

Ich beobachte die Aktie seit dem IPO und damit auch wie sie sich im Zuge der Popularität der Serie Damengambit innerhalb von drei Monaten verdreifacht hat. Nachdem die Aktie ein Drittel vom Allzeithoch von etwa 3,80 € abgegeben hatte, habe ich mit einem zarten Einstieg mit dem Wikifolio begonnen. Meinen ersten Beitrag zur Aktie (und auch alle weiteren) kannst du hier nachlesen. Seitdem hat sich die Aktie noch einmal halbiert und wir befinden uns nun wieder in der Region des IPO Preises. Gleichzeitig wurde die unternehmenseigene Guidance für 2021 noch zwei Mal erhöht. Wie passt das zusammen?

Dem veränderten Umfeld für Wachstumswerte, die ihre Gewinne erst in ferner Zukunft erzielen, konnte sich aufgrund der drohenden Zinsanhebungen auch die Play Magnus Aktie nicht entziehen. Gleichzeitig ist das Aufflammen des Schachsports eine Initialzündung gewesen, bot während der vielen Lockdowns aber auch perfekte Voraussetzungen für enormes Wachstum. Meiner Meinung nach hat sich ziemlich exakt ein Jahr nach meinem ersten Kauf von Play Magnus nichts am Investmentcase geändert – außer, dass die Firma selbst noch optimistischer geworden ist, weil sie bereits insgesamt sechs Akquisitionen getätigt hat und mit den kürzlich veröffentlichen Zahlen die mittelfristige Ziele angehoben hat. Mit dem Börsengang hat man das große Ziel von 60 Mio. $ Bookings im Jahr 2025 veröffentlicht. Das Geschäftsjahr 2020 hat man mit 9,3 Mio. $ Bookings abgeschlossen, sodass sich für die fünf Jahre 2021 bis 2025 bereits eine CAGR von 45,19 % errechnet. Diese Prognose hat man nun frühzeitig – wir befinden uns erst im zweiten der fünf Jahre – auf 100 Mio. $ Bookings Run-Rate angehoben. Dies bedeutet, dass spätestens im 4. Quartal 2025 25 Mio. $ Bookings erzielt werden und man die Bookings aus dem Gesamtjahr 2021 in Höhe von 24,5 Mio. $ in einem einzelnen Quartal 2025 erzielen möchte. Obwohl man also die Buchungen im abgelaufenen Q4 2021 bereits um 90 % gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert hat, will man auch in den folgenden Schlussquartalen jeweils um mehr als 40 % wachsen. Das ist eine echte Ansage!

Gleichzeitig möchte ich herausstellen, dass ich hier bisher über die prognostizierten Buchungen geschrieben habe und man für den Umsatz Stornierungen und Kündigungen abziehen muss. Diese haben in den letzten beiden Quartalen etwa 10 % betragen und befinden sich damit in einem noch akzeptablen Rahmen. Somit sollte man etwa 90 Mio. $ Umsatz Run-Rate Ende 2025 annehmen, wenn man den Aussagen des Managements folgt. In der kürzlichen Präsentation sagte man, dass mittelfristig etwa 75 % davon über die Plattformen und zahlende Nutzer entstehen und 25 % über das B2B-Geschäft der Chesstour sowie den damit verbundenen Partnerschaften. Für beide Segmente erwartet man gleichermaßen 40 % Wachstum jährlich, genauso wie für die Anzahl der zahlenden Nutzer (65.000 heute vs. 300.000e 2025) bei denen man keine weitere Steigerung des ARPPU (Average Revenue Per Paying User) annimmt, obwohl dieser im Q4 um 19 % auf 21,9 $ wieder gestiegen ist.

Auf Top-Line Basis muss man sich also bei Play Magnus wohl keine Gedanken machen, allerdings ist die Entwicklung zum profitablen Unternehmen der logische und notwendige Schritt, um an der Börse höhere Bewertungen zugestanden zu bekommen. Jetzt hat man aber endlich mehrere Profitabilitätsziele konkretisiert. Laut Aussage im Conference Call will man Ende diesen Jahres auf Adjusted EBITDA Ebene erstmals und 2023 dann ganzjährig profitabel sein. Die Rohmarge sieht man wie in den vergangen Geschäftsjahren auch mittelfristig bei sehr guten 80 %. Zusammengenommen 50 % vom Umsatz wird man auch in den nächsten Jahren weiterhin in die Chesstour und in die Entwicklung der Plattformen (Personal) stecken, sodass man bei einem Erreichen der Umsatzschwelle von 70-80 Mio. $ aufgrund der Skaleneffekte von Adjusted EBITDA Margen von 30 % ausgehen darf. Play Magnus bereinigt hier um Mitarbeiterbeteiligungen und M&A Kosten. Geht man also einfach nur von der Vorstandsprognose aus könnten 2025 bereits zwischen 20-25 Mio $ AEBITDA herausspringen. Bei gerade einmal 88 Mio. $ Marktkapitalisierung ein sehr schönes Zukunftsszenario mit enormen Renditepotenzial. Derzeit wird die Aktie gemessen an der Marktkapitalisierung mit dem etwa 4-fachen Umsatz bewertet. Allerdings verfügt man über eine üppige Cash Position von 27 Mio. $, die für weitere Akquisitionen eingesetzt werden kann und die mittelfristige Planung weiter untermauern. 

Obwohl die Unternehmensentwicklung also voll nach Plan verläuft, hat sich die Aktie gedrittelt und es zeigt sich bei einem kleinen Technologienebenwert eben auch, was die Kosten einer zukünftigen Overperformance sind: Mindestens mal die erhöhte Volalität. Aus diesem Grund wird die Gewichtung der Play Magnus Aktie auch in Zukunft etwa 3,5 – 4 % des Portfolios nicht überschreiten. Die Play Magnus Aktie gehört mit der Global Fashion Group und der SNP Aktie zu den spekulativeren Werten meines Portfolios. Dem erhöhten Risiko steht allerdings eine wesentliche höhere Chance gegenüber, die ich mit einem Teil des Portfolios gerne verfolge.  

What’s up to come?

Weiterhin hoffe ich, dass ihr alle gut durch die aktuelle Marktkorrektur kommt. Mit guten Unternehmenszahlen, wie man sie nun bei vielen Werten im Portfolio gesehen hat und investiertem Kapital, welches man nicht übermorgen benötigt, ergibt sich doch fast eine Hängematte. Bleibt dran und erwartet dann in einem Monat das nächste Portfolio-Update!

Viele Grüße
Heinz Luckhardt


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